Der Martial-Arts-Film ist längst nicht nur auf fernöstliche Länder beschränkt. Auch im Westen erfreut sich das Genre einer großen Popularität. Unter dem Einfluss der Filme mit Bruce Lee und Jackie Chan importieren Schauspieler wie Jean-Claude Van Damme und Chuck Norris das Genre in den 1980er Jahren nach Hollywood. Was nicht ohne Auswirkungen auf das Action-Genre Hollywood’scher Prägung bleiben wird.

Muskelbepackte Haudegen, wie sie von Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone seit den 80ern kultiviert werden, haben bald ausgedient. Der Actionheld der 2000er Jahre ist auch ein geschickter Kampfkünstler. Wenn ihm Waffen nicht mehr weiterhelfen, bedient er sich im Kampf um die Rettung der Welt eben auch seiner Hände und Füße.

Die „Mission: Impossible“- und „Jason Bourne“-Reihen stehen für eine erfolgreiche Melange beider Genre- und Kulturwelten. Der reine Martial-Arts-Film fernöstlicher Prägung erlebt angesichts omnipotenter Helden wie Ethan Hunt, Jason Bourne und John Wick eine Krise. Filme mit Jackie Chan und Jet Li werden zwar auch für den westlichen Markt gedreht. Dennoch bleibt der Trend von eher kurzer Dauer. Hunt, Bourne, Wick, dazu weibliche Kämpferinnen wie die „Atomic Blonde“ und die „Red Sparrow“ haben mehr Identifikationspotenzial.

Doch der Martial-Arts-Film steht vor einem erneuten Revival. In Hollywood entsteht derzeit nämlich die Neuverfilmung eines der größten Martial-Arts-Klassiker überhaupt, von „Der Mann mit der Todeskralle“ mit Bruce Lee. Das Original aus dem Jahr 1973 kreist um einen Kämpfer, der an einem ominösen Kampfsportturnier teilnimmt. Dem Mann geht es nicht um Geld oder Ehre, er will sich an dem Veranstalter des Wettkampfes rächen. Denn der skrupellose Geschäftsmann ist für den Tod seiner Schwester verantwortlich.

„Der Mann mit der Todeskralle“ war Lees letzter Auftritt vor einer Kamera. Die Martial-Arts-Legende starb während der Postproduktion des Films im Alter von 32 Jahren. Das Hollywood-Remake eines seiner größten Erfolge dürfte auch eine Hommage an den Ausnahme-Kämpfer sein. Regie führt mit David Leitch jemand, der sich mit der Materie auskennt. Leitch ist der Regisseur von „Atomic Blonde“. Wer in Lees große Fußstapfen tritt, ist noch nicht bekannt.